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KLEINE
NÄHRSTOFFKUNDE


Herausgeber: HiLife (Extension) e.V. 61420 Oberursel

Vorbeugende und therapeutische Dosierung
Das "richtige" Produkt
Künstlich oder natürlich?
Nebulöser Markt
Kosten und Erstattung
Die tägliche Nahrung



Vorbeugende und therapeutische Dosierung
Der moderne Mensch hat über Jahrhunderte hinweg seinen Input (Nahrung) in geradezu fahrlässiger Weise vernachlässigt, seinen Output (Leistung) hingegen ständig erhöht. Diese einseitige Rechnung ging nicht auf. Sie konnte gar nicht aufgehen. Die Folgen dieses Raubbaus wurden sehr lange Zeit übersehen - was auch nicht verwundert: Denn wenn man kaum etwas über die Qualitäten seines Inputs weiß, kann man auch kaum den Zusammenhang zu den Spätfolgen erkennen. Zumal diese Folgen erst spät, manchmal sehr spät auftreten. Bei vielen Krankheiten liegen Jahre, sogar Jahrzehnte zwischen Ursache(n) und Folge(n), so dass zuverlässige Rückschlüsse kaum noch möglich sind.
Viel zu lange definierte der Mensch seine Nahrung hauptsächlich über Proteine, Fette und Kohlenhydrate, wobei sich die Aufmersamkeit vor allem auf die Kalorien richtete. Vitamine und Spurenelemente kamen zwar auch hin und wieder ins Gespräch, aber es blieb sehr lange unklar, welche Funktion(en) sie haben. Erst in den letzten Jahren entdeckten Wissenschaftler dank verbesserter chemischer Analysemethoden, woraus Nahrung wirklich besteht. Inzwischen wird eine Substanz nach der anderen wissenschaftlich "entdeckt" und erklärt.
Kohlenhydrate, Fette und Proteine sind die groben "Backsteine", aus denen das Grundgerüst eines Organismus besteht. Die Lebensmittelinhaltsstoffe wie Vitamine, Mineralien, Bioflavone, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und so weiter bilden dabei gewissermaßen den Zement. Die Qualität einer Mauer hängt vom Zement ab ...
Stoffwechselvorgänge sind im Prinzip nichts anderes als chemische Reaktionen. Die Natur geht dabei zwei Wege, auf die wir hier nur am Rande eingehen wollen: Im ersten Fall verbinden sich zwei Reaktionspartner aufgrund ihrer gegensätzlichen Ladung, also zum Beispiel ein positiv geladenes Natrium(ion) mit einem negativ geladenen Chlor(ion). Diese Reaktion verläuft moderat. Im anderen Fall haben wir es mit Reaktionspartnern gleicher Ladung zu tun. Diese Reaktionen verlaufen wesentlich heftiger, wie zum Beispiel bei Verbindungen zwischen Chlor-Atomen. Im letzteren Fall haben wir es mit Freien Radikalen zu tun. Freie Radikale reagieren, wie der Name bereits vermuten lässt, recht ruppig. Die Bindungswut von Freien Radikalen ist so groß, dass sie buchstäblich mit allem, was sich ihnen nähert, eine chemische Reaktion eingehen. Diese Wahllosigkeit kann schwerwiegende Folgen haben.
Beispiel: Nehmen wir an, ein Chlor-Radikal befindet sich in einer Körperzelle. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es mit einer empfindlichen organischen Struktur wie zum Beispiel einem Protein eine Verbindung eingeht. Dieses Protein wird dadurch verändert und "denaturiert"; es ist nicht mehr verwertbar und schwimmt als "Sondermüll" in der Zelle herum. Gleichzeitig wird dieses Protein selbst zum Freien Radikal und attackiert seinerseits andere organische Strukturen. Es entsteht eine Kettenreaktion mit fatalen Folgen. Antioxidantien haben nun die Aufgabe, diese ständig stattfindenden "bösartigen" Reaktionen zu kanalisieren oder zu stoppen. So "opfert" beispielsweise ein Vitamin sein Elektron an das Chlor, ohne dabei selbst zum Freien Radikal zu werden. Es hat das Chlor entschärft, ist dadurch jedoch selbst unbrauchbar geworden.
Wir wissen heute, dass der Mensch eine gewisse Anzahl von bioaktiven Stoffen benötigt, um diese krank machenden Freien Radikale beseitigen zu können. Allerdings weiß man noch immer nicht genau, wie viele Substanzen dies exakt sind und in welcher Dosierung sie gebraucht werden.
So hält die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) 75 Milligramm Vitamin C täglich für absolut ausreichend. Der amerikanische Wissenschaftler und Nobelpreisträger Linus Pauling (1901-1994), der immerhin ein gesegnetes Alter von 93 Jahren erreichte, empfahl hingegen mindestens 6 bis 18 Gramm Vitamin C täglich - also die 200fache (!) Dosis. Die Angaben der Vitaminforschung liegen zwischen 500 mg und 3 g (und mehr).
Ähnlich verhält es sich für viele andere Stoffe.

Das "richtige" Produkt
Für fast jede in dieser Broschüre genannte Substanz und/oder Substanzkombination gibt es verschiedene Fertigprodukte im Handel. In den USA und einigen europäischen Ländern werden diese Stoffe in Vitamingeschäften, Versandhäusern und Supermärkten frei verkauft. Im deutschen Raum hat man hingegen mit dem Handicap zu kämpfen, dass sie - rein juristisch gesehen - als "Medikamente" gelten. Damit sind sie zulassungs- und apothekenpflichtig, was in letzter Konsequenz bedeutet, dass sie - solange dieses Gesetz gilt - nicht auf den Markt kommen werden.
Der interessierte Konsument wird sich zwangsläufig im Ausland orientieren, und da gelten oft ganz andere Kriterien. Nahrungsergänzungen aus Nachbarländern wie Dänemark oder den Niederlanden dürfen höher dosiert sein, als in Deutschland erlaubt ist. Die Anforderungen an die Qualität können mit deutschen Kriterien für frei verkäufliche Arzneien gleichgesetzt werden - und die sind dehnbar. Produkte aus den USA unterliegen jedoch ganz anderen Gewährleistungen, als man in Deutschland gewohnt ist.
  1. Nahrungsergänzungen werden in den USA als Lebensmittel gesehen und unterliegen daher nicht der gleichen staatlichen Überwachung, wie dies bei echten Arzneien üblich ist.

  2. Dafür ist die Produkthaftung amerikanischer Hersteller wesentlich rigider als in Deutschland. (Dass man die Tabakkonzerne wie in den USA zur Rechenschaft zieht, scheint hier undenkbar)

Im Klartext: Ob ein US-Produkt wirklich das hält oder enthält, was angepriesen wird, steht in den Sternen. Die Sicherheit dieser Produkte ist jedoch hoch, weil jeder US-Hersteller um seine schier unbegrenzte Haftung weiß. In Deutschland verhält es sich im Wesentlichen umgekehrt. Im konkreten vergleichbaren Produktfall kann der Konsument bei einem deutschen oder europäischen Produkt relativ sicher sein, dass es enthält, was auf der Verpackung steht. Sollten ihm davon jedoch die Haare ausfallen, darf er mit einer lauwarmen Entschädigung rechnen. Bei einem US-Produkt darf er nicht unbedingt damit rechnen, dass es enthält, was auf der Verpackung steht, dafür ist er ein gemachter Mann, wenn ihm die Haare davon ausfallen.
Der HiLife e.V. sieht - wg. der ausreichenden Dosierung - vor allem in den US-Produkten einen Sinn, weiß jedoch gleichzeitig, dass diese von einwandfreien Herstellern sein sollten. Siehe auch Basismikronährstoffe.

Künstlich oder natürlich?
Die teilweise mit einer verbiesterten Vehemenz geführte Diskussion darüber, ob natürliche Substanzen den künstlichen vorzuziehen sind, leidet von vorneherein unter einem schwammigen Sprachgebrauch und waberigen Definitionen. Hierbei werden exakte Begriffe aus der Chemie oder Pharmazie in unzulässiger Weise verallgemeinert oder gar völlig unsinnig gebraucht.
Die gegenwärtige Polarisierung von künstlich oder natürlich geht allzu oft an der Sache vorbei und folgt lediglich dem derzeitigen Modetrend. "Bio", "Öko" und "Natur" verkauft sich nun mal gut und etliche Produkte sind bereits so ökologisch, ökologischer gehts nicht mehr ...
So ist die häufige Frage, ob "natürliche Vitamine" den "künstlichen" vorzuziehen sind, unklare Begriffe - und jede Beantwortung geht daher haarscharf an der Sache vorbei. Der Unsinn, der mit den Terminologien betrieben wird, grenzt teilweise an bewusste Irreführung. Letztendlich werden klare Begriffe ideologisch "verbastert" - was leider alte Tradition hat - um angebliche Qualitäten zu unterstreichen, die in der Form nicht existieren.
Vitamine sind ein Naturprodukt, wie eine Kartoffel auch. Ein sythetisches Vitamin entspräche einer synthetischen Kartoffel - und was bitte soll das sein? Künstliche Mineralien, wie z.B. Selen, wären sogar ein göttliches Wunder, weil der Mensch (bis dato) keine Elemente herstellen kann.
Aber es gibt durchaus Unterschiede im Herstellungsverfahren (bzw. Aufzucht der Kartoffel) die möglicherweise zu unterschiedlichen Wirkungen führen. Grundsätzlich aber handelt es sich bei allen Lebensmitteln - egal ob Kartoffel oder Vitamine - um natürliche Substanzen, also Stoffe, wie sie auch von der Natur verwendet werden.
Natürliche Moleküle sind z.B. das Vitamin C oder das Hormon Östrogen, aber auch giftiges Arsen und andere Schwermetalle wie Blei und Cadmium sind natürliche Substanzen.
Der Mensch ist jedoch in der Lage Moleküle (nicht Atome) herzustellen, die es in der Natur so nicht gibt. Nur diese Moleküle verdienen die Bezeichnung künstlich oder synthetisch. Dann aber bekommen die Moleküle auch einen Kunstnamen, eine mehr oder weniger willkürliche Wortschöpfung.

Im Bereich der Textilien hat der Mensch sich mittlerweile an die diversen Bezeichnungen gewöhnt: Baumwolle ist Natur, Diolen ist Kunststoff. Beide haben Vor- bzw. Nachteile, Mischungen sind gang und gäbe - und über die immense Palette weiterer Substanzen in Textilien ist damit nichts gesagt.
Da es sich bei synthetischen Produkten um eine eigene Erfindung handelt, kann man sie patentieren lassen und wird damit für die Industrie interessant. Ob die synthetische Substanzkreation (z.B. Medikament) mehr schadet als nutzt wird bei der Patentvergabe nicht hinterfragt. Insofern sind Hinweise auf Patente generell Null-Aussagen.
In vielen Fällen ist eine exakte Abgrenzung zwischen künstlich oder natürlich schwer. Bei der bekannten Acetylsalicylsäure (ASPIRIN) wurde ein natürliches Acetyl (Essig) mit einem natürlichen Salicyl (Birke) gekoppelt. Zwar handelt es sich bei den Einzelbestandteilen um Naturprodukte, aber das fertige Molekül gibt es in dieser Form in der Natur nicht.
In letzter Konsequenz ist jede Haushaltsküche eine Art Labor, in der die ursprüngliche (molekulare) Form von Nahrungsmitteln verändert wird. Um dennoch eine Unterscheidung zu ermöglichen, definiert man "künstliche Moleküle" in aller Regel als Substanzen, die man gezielt in ihrer Form verändert hat (um z.B. in den Genuss des Patentrechts zu kommen).
Nun gibt es bestimmte Verfahren, um diese oder jene natürliche Substanz zu gewinnen. So kann man Vitamin C aus Obst synthetisieren oder aus Glucose herstellen. Der Kostenunterschied ist gewaltig, dennoch erhält man in beiden Fällen identische Moleküle Vitamin C. Würde man das reine Vitamin C einer Zitrone neben das Vitamin C aus dem Glucoseverfahren legen - es wäre kein Unterschied feststellbar, weder im Aussehen noch in der Wirkung. Wohl aber im Preis.
Was in Wahrheit oftmals verglichen wird, ist reines Vitamin C und Vitamin C mit Begleitstoffen (Flavonoide). Hier vergleicht man Kühe mit Kälbern. Da die Wirkung der Flavonoide auf Vitamin C durchaus allgemein bekannt ist - es steigert deren Bioverfügbarkeit um ein Vielfaches -, fügen manche Hersteller die Bioflavonoide dem reinen Vitamin C wieder zu.
Im Nebensatz: Mit "natürlichem" Vitamin C, wie z.B. in Acerolaprodukten, könnte man den heute empfohlenen Bedarf kaum decken, denn es enthält lediglich ca. 7% Vitamin C (oft wird noch "synthetisches" Vitamin C hinzugefügt) - und ist teuer.
Entscheidend dürfte der Umstand sein, dass es bisher keinen handfesten Beweis dafür gibt, dass der Organismus einen Unterschied zwischen "natürlichem" oder "synthetischen" Vitamin C macht. Jedenfalls so lange man von reinem Vitamin C spricht. Vergleicht man hingegen die verschiedenen Verfahren der Vitamin-E-Gewinnung, dann sind Qualitätsunterschiede, die sich physiologisch auswirken, feststellbar. Vitamin E besteht aus nur drei Elementen, nämlich Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlenstoff. Im räumlichen Aufbau hat dieses Vitamin jedoch eine Vielfalt, die gar nicht mehr in Worte gefasst werden kann: Von mehreren Milliarden Vitamin-E-Molekülen ist keines wie das andere. Bei der einen Herstellungsart sind alle Vitamin-E-Moleküle gleich; bei einem anderen Verfahren entsteht die auch in der Natur vorkommende Vielfalt. In diesem Fall wurde ein Unterschied in der Wirkung festgestellt. Aber alles andere als eindeutig: Denn mal wirkt das "gleichförmige" Molekül besser, mal das "vielfältige".
Auf den Punkt gebracht, ist es eine pure Verkaufsmasche, wenn man mit den Begriffen "natürlich" oder "biologisch" so umgeht, als ob sie für sich schon Qualität verheißen würden. Suggeriert wird dabei die angebliche Überlegenheit nicht-industrieller Produkte. Das ist - sorry - Kundenverarschung, denn praktisch alles wird industriell bearbeitet. Andernfalls könnte es sich kein Mensch mehr leisten.
Es ist vergleichbar mit der Joghurtherstellung. Niemand wird ernsthaft behaupten, dass Joghurt ein Kunstprodukt ist, obwohl in den Verkaufsregalen viele verschiedene Sorten angeboten werden und alle industriell gefertigt sind.
Die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen beziehen sich übrigens auf die "einfache" industriell gefertigte Substanz, in der bei den Krankenhäusern/Instituten üblichen, pharmazeutischen (reinen) Qualität. Natürlich wird dabei gelegentlich festgestellt, dass diese oder jene Darreichungsform (zum Beispiel Ascorbinsäure und Flavonoide) der Monosubstanz überlegen ist. Dennoch beruhen die Erkenntnisse der Mikronährstoff-Forschung fast ausnahmslos auf industriell gefertigen Substanzen - allein schon aus Kostenerwägungen. Vitamine, die man z.B. aus Obst extrahiert ("natürlich"), sind nämlich teilweise extrem teuer oder gar mit Vorsicht zu genießen. So enthalten bestimmte ölige Extrakte zwar viel Vitamin E, aber die ölige Basis neigt zur (Auto-) Oxidation, wodurch das Produkt möglicherweise eher schadet als nützt. "Natürliches" Vitamin C ist in Reinform extrem teuer, als Extrakt (z.B. Acerola) zwar preiswerter, aber immer noch kostbar. Hinzu kommt, dass vor allem natürliche Substanzen oftmals verunreinigt sind. Zwar überwacht der Staat bestimmte Grenzwerte, aber sie beziehen sich auf deutsche Dosierungsempfehlungen.
Die Verunreinigungen von preiswertem Vitamin C (oft ausländische Importe) bewegen sich zwar innerhalb der gesetzlich zulässigen Grenzen, aber man geht dabei von der DGE-Dosis-empfehlung (75 mg/täglich) aus. Folgt man den modernen Empfehlungen (3.000 - 15.000 mg), dann sieht das schon anders aus.
Die Unterscheidung nach künstlichen oder natürlichen Vitaminen ähnelt im Regelfall einer Diskussion über einen schwarzem Schimmel. Vor allem im Bereich der sekundären Pflanzeninhaltsstoffe (Heilpflanzen; Gemüsekonzentrate) wird man sogar vergeblich nach "künstlichen" Produkten suchen. Man kann sie entweder überhaupt nicht "künstlich" herstellen oder nur mit enorm viel Aufwand.
Fazit: Bereits die Frage, ob natürliche Nährstoffe den "synthetischen" vorzuziehen sind, ergibt - außer bei Vitamin E - keinen Sinn. Bezieht man sich auf das Herstellungsverfahren, dann lässt sie sich nicht allgemein beantworten und muss von Fall zu Fall entschieden werden.

Biologisch
Auf einer anderen Ebene bewegen sich z.B. Gemüse aus biologischem Anbau. Zwar bleibt auch hier die Kartoffel eine Kartoffel, also ein Naturprodukt, aber die unterschiedliche Behandlung führt zu anderen Qualitäten, sowohl des Produktes selbst als auch bezüglich des ökologischen Kreislaufs.
Allerdings sind auch hier eindeutige Aussagen schwierig. So unterscheidet sich die Bio-Kartoffel möglicherweise nur geringfügig von der Kartoffel des konventionellen Anbaus, wenn man sich auf herkömmliche Parameter (wie Trockensubstanz, Eiweißanteil, Vitamingehalt, Nitratgehalt usw.) beschränkt. Das ändert sich jedoch, wenn man andere Werte wie z.B. die Energiewerte miteinander vergleicht. Biokost zeichnet sich durch höhere Reduktionskapazitäten aus, d. h. sie enthalten mehr energiereiche Elektronen.
Fazit: Begriffe wie "Bio" und "Natur" werden derzeit sehr oft missbräuchlich genutzt und sind für sich gesehen noch keine Qualitätsgarantie. Dies ist nicht zu verwechseln mit den aufwendigen Bemühungen von Organisationen wie z.B. Demeter, um u.a. die Belastung von Lebensmitteln mit Umweltgiften zurückzudrängen. Diese Lebensmittel tragen einen zusätzlichen Hinweis auf der Verpackung.

Natur über alles?
So sanft sich die Naturheilmethoden oder ganzheitliche Medizin auch gibt - im Umgang mit der Natur hapert es. So wird gerne übersehen, dass deren Protagonisten vor lauter "Natur" zum Raubbau anstiften. Manche Produzenten betonen sogar die Überlegenheit ihrer wild wachsenden Rohstoffe und ignorieren, dass der steigende Bedarf der industriellen Nationen schon längst zur Gefährdung mancher Art geführt hat. Wilder Ginseng gilt in Nordkorea bereits als bedrohte Art. Die Zahl der Moschushirsche ist drastisch zurückgegangen (Moschus wird u.a. in etlichen homöopathischen Rezepturen verwendet).
Die unkritische Akzentuierung von "Natur" ist letztendlich kontraproduktiv: 80% der in Europa gehandelten Heilkräuter stammen aus der Wildnis. TRAFFIC, ein Artenschutzprogramm des World Wide Fund for Nature (WWF), warnt bereits vor den Folgen.

Standardisierung
Natürliche Substanzen (Extrakte) mögen den "synthetischen/industriellen" zwar manchmal überlegen sein, warten dafür jedoch mit anderer Problematik auf. So können bereits die Rohstoffe (z.B. Ginkgoblätter) je nach Land, Erntezeitpunkt, Wetter, Boden usw. in ihrem Wirkstoffgehalt sehr stark schwanken, von der unfreiwilligen Befrachtung mit Herbiziden, Pestiziden u.a. mal zu schweigen. Um einen gleichmäßigen Wirkstoffgehalt zu erhalten, ist zusätzlicher Aufwand erforderlich, der mit dem Begriff Standardisierung umschrieben wird: Jetzt kann der Produzent einen bestimmten Gehalt (z.B. 25% Anthocyane) garantieren. Das macht sich zwangsläufig im Preis bemerkbar, ist es jedoch wert.

NEBULÖSER MARKT
Es ist kaum ein Markt so undurchsichtig wie der der Pillen & Pülverchen. Das fängt bereits mit der Abgrenzung von Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel an. Erschwert wird dies durch neue Produktgruppen wie z. B. "Functional Food" oder abenteuerliche Wortschöpfungen, die nichts bedeuten.
Die sehr stark vertretene Pharmafront und deren zahlreiche Interessenvertreter werfen dabei ebenso fleißig mit Nebelgranaten wie die Produzenten von Nahrungsergänzungsmitteln. Die Unkenntnis des Verbrauchers wird gelegentlich geradezu schamlos ausgenutzt, und überzogene Darstellungen gehören inzwischen schon fast zum guten Ton. Leider bestechen viele Hersteller vor allem durch ihre "juristischen Qualitäten" für Propagandazwecke und weniger durch fachliche oder pharmakologische. Beispiele: Es ist sogar für Fachleute oft schwierig raffinierte pseudo-wissenschaftliche Dichtung (Werbeaussagen) von Wahrheit zu unterscheiden. Dem Laien, dem die Fakten oftmals nicht zugänglich sind, hilft nur ein sehr kritischer Blick auf die Wortwahl.
Lobeshymnen wie "sofortiger Erfolg", "einmalig", "geheimnisvoll" usw. sind Worthülsen.
Hinweise auf wissenschaftliche Untersuchungen sollten zumindest überprüfbar sein. Es ist schon ärgerlich genug, dass viele wissenschaftliche Untersuchungen von dubiosen Quellen kommen oder allzu einseitig ausgelegt werden und im Grunde nichts wert sind.
Waberige Aussagen wie "kosmische Kräfte", "blutreinigend", "befreit von Giften" usw. sind mit Vorsicht zu genießen.
Behauptungen aller Art, die sich auf irgendeine Erkenntnis beziehen, die angeblich nur diese Firma hat oder nur dieses Produkt berücksichtigt, sollte man in aller Regel gleich wieder vergessen. Es gibt im wissenschaftlichen Bereich der NEM kein "Geheimwissen". Entweder ist es allgemein bekannt, dass dieses oder jenes soundso wirkt - oder unbewiesen.
Allheilmittel, die angeblich jedem und/oder bei jeder Krankheit helfen, gibt es nicht und wird es wohl auch nie geben. (Nicht zu verwechseln mit allgemeinen Stärkungsmitteln, wie z.B. Ginseng. Stärkung ist nicht gleich Heilung). Alle Diätprodukte oder -pläne, die eine größere Gewichtsabnahme als 1-2 Pfund pro Woche garantieren, wirken - wenn die Ausssage überhaupt stimmt - kontraproduktiv (Jojo-Effekt).
Man hüte sich vor Fern-Schnell-Gut- oder gar Laiendiagnosen aller Art! Nicht umsonst haben Fachärzte eine 12-jährige Ausbildungszeit hinter sich - und sind dennoch nicht gegen Irrtümer und Fehldiagnosen gefeit. In Sachen Heilung mögen auch an sich hervorragende Ärzte irgendwann am Ende ihres Lateins und Selbsthilfe angebracht sein. Aber in Sachen Diagnose hüte man sich vor falschen Propheten.

KOSTEN UND ERSTATTUNG
Hochwertige Nahrungsergänzungen haben ihren Preis. Allerdings gilt auch hier, dass nicht alle teuren Produkte deswegen ihren Preis wert sind. Man tut in der Regel gut daran alle hochtrabenden Werbeaussagen zu streichen und sich nur auf die Inhaltsstoffe zu konzentrieren.
Eine hochwertige Nahrungsergänzung macht in der Regel nur Sinn, wenn man sie regelmäßig, konsequent und dauernd zuführt. Von einigen Ausnahmen abgesehen, die auch kurmäßig zugeführt werden können, bedeutet die Entscheidung zur Substitution eine lebenslange Ergänzung. Das kann ins Geld gehen. Ob man von einem hochwertigen Produkt aus Kostenersparnis nur einen Teil der empfohlenen Dosis täglich zu sich nimmt oder lieber gleich ein preiswerteres Produkt kauft, ist auch Ansichtssache.
Grundsätzlich wehren sich die Kassen gegen die Kostenübernahme von Nahrungsergänzungen - auch wenn sie angebracht sind. Verständlich, denn zu Ende gedacht, kann das - wenn es Schule macht - den Konkurs des Systems nach sich ziehen. Dennoch übernahmen bisher manche Kassen die Kosten für z.B. einen hochwertigen "Basisnährstoff". Voraussetzung war, dass der behandelnde Arzt es verschrieb bzw. den therapeutischen Einsatz empfahl.
Es konnte sich also auszahlen, wenn man hier etwas Aufwand investierte und gemeinsam mit seinem Arzt vorging. Nicht zuletzt wegen der lautstarken Vermarktung mancher Organisationen (wie z.B. des Dr. Rath Netzwerks) wurden jedoch sogar die kulanten Kassen zurückhaltender.
Vor allem wenn (teure) Medikamente dadurch reduziert werden können und/oder Nebenwirkungen gängiger Medikamente nicht mehr akzeptabel sind, wird man eher auf offene Ohren stoßen. Es spricht sich - gottlob - allmählich herum, dass z.B. Coenzym Q10 die Einnahme der üblichen (Blut-hochdruck-)Medikamente zu senken vermag. Allerdings ist Coenzym Q10 auch nicht preiswert.
Letztendlich wird sich jeder damit auseinander setzen müssen, ob und inwiefern er sich die Verantwortung für sein Leben aus der Hand nehmen lässt und/oder wie weit Kostenargumente gehen dürfen. Selbstredend kann eine dauernde Substitution ein empfindliches Loch in die Haushaltskasse reißen. Aber die Institution, die einem die Entscheidung darüber abnimmt, was man für seine Gesundheit übrig haben soll und wie viel einem das wert sein sollte - die gibt es nicht.

DIE
TÄGLICHE NAHRUNG
Nahrungsergänzungen - und seien sie noch so hochwertig - ersetzen keineswegs einen vernünftigen Umgang mit der eigentlichen Nahrung. Zwar kann man sich mehr "Schnitzer" oder "Sünden" bei der täglichen Nahrungszusammenstellung erlauben, wenn man eine gute Basis an NEM zu sich nimmt, aber als "Nahrungsersatz" darf dies nicht gesehen werden.
Als Grundlage gilt eine so genannte "ausgewogene Ernährung". Hierbei hat sich das DGE-Pyramidenmodell weitgehend durchgesetzt. Siehe auch NAHRUNG.




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